Spielphilosophie

Obgleich es Spiele schon länger als Film und Fotografie zusammen gibt und sich eine Film- und Bildphilosophie im Diskurs integriert haben, wurde die Spielphilosophie noch nicht als eigenständige Disziplin aufgenommen. Das Spiel war lediglich vereinzelt Gegenstand philosophischer Betrachtungen. So schreibt etwa Schiller: „[Der Mensch] ist nur da ganz Mensch, wo er spielt.“ 1 Dabei haben Spiele den Menschen immer schon begeistert und mit einer vermehrten Digitalisierung nahmen sie einen neuen Status in der Alltagskultur ein. Heute wird mehr denn je deutlich, was Johan Huizinga 1938 in seinem Buch Homo ludens zeigt: Bei dem Spiel handelt es sich um ein Kernphänomen menschlicher Kultur.2

Doch die Frage nach dem Spiel stellt sich in der digitalen Welt neu: Interaktions- und Medienbegriff befinden sich kontinuierlich im Wandel und werden neu definiert und mit ihm auch der Begriff des Spiels. Das digitale Spiel sucht seinen Platz einerseits innerhalb der intuitiven Definition des klassischen Spiels und andererseits als unabhängiges Medium in Abgrenzung zu anderen medialen Phänomenen, wie etwa dem Film. Das Phänomen des Spiels hat dabei Ausmaße angenommen, welche es schwierig machen, eine völlig neue wissenschaftliche Disziplin innerhalb kurzer Zeit zu etablieren, die gegebenenfalls als Alternative zur Spieleforschung oder den Game Studies auftritt. Vielmehr muss versucht werden, die philosophische Perspektive in einer „Spielphilosophie“ für den interdisziplinären Diskurs der Spieleforschung brauchbar zu machen.

Wenngleich sich innerhalb der letzten Jahrzehnte das Spiel als Gegenstand wissenschaftlicher Forschung von immer stärkerem Interesse wurde, so befinden sich gerade Game Studies als recht junge, transdisziplinäre Wissenschaften noch in der Schwebe zwischen verschiedenen Ansätzen und Problemen. Als eine Wissenschaft zweiter Ordnung mit ungebrochenen methodologischen Kompetenzen ist die Philosophie dazu prädestiniert, zu erkennen, wo methodische oder begriffliche Lücken entstehen und hier völlig neue Diskurse zu eröffnen und interdisziplinäre Forschungen anzustoßen.

Während Psychologie oder Pädagogik vor allem auf die (erzieherische) Wirkung der Spiele im Blick haben, konzentrieren sich die Medienwissenschaften noch immer auf eine klare Definition des Begriffs digitaler Spiele: Lange Zeit wurde etwa in den Debatten zwischen Ludologie und Narratologie versucht, eine klare Grenze zwischen dem (digitalen) Spiel und anderen, bloß narratologischen Phänomenen zu etablieren. Ähnliche Bemühungen sind in jüngerer Zeit zwischen dem Medium des Films und dem des Spiels zu beobachten. So scheinen also Psychologie und Pädagogik von einem wenig differenzierten Spielbegriff auszugehen, wohingegen die Medienwissenschaften bereits aufgrund ihres wissenschaftlichen Themengebietes, bloß ein Teilgebiet des Phänomens des Spiels zu betrachten scheinen. Ferner bemühen sich Game Studies vornehmlich um die Erforschung des digitalen Spiels, wodurch ein großer Bereich dessen, was der Begriff des Spiels umfasst, naturgemäß in den Hintergrund tritt. Eine Spielphilosophie würde die Game Studies integrieren und anders als diese das gesamte Gebiet der verschiedenen Spiele sowohl analoge als auch digitale abdecken. Mit dem Ansatz einer Spielphilosophie soll versucht werden, zum einen solche methodischen und begrifflichen Lücken aufzuspüren sowie zu beseitigen und zum anderen bereits bestehende Fragen zu lösen:

Welche Haltung nimmt man allgemein gegenüber dem Spiel ein? Welche Haltung nimmt speziell der Spieler ein bzw. wie nimmt er diese ein? Und welche Bedingungen müssen dazu erfüllt sein? Auf welche Weise müssen wir Handlungen, die ein Spieler vollführt betrachten, um sie zu verstehen? Und wenn der Spieler im Spiel handelt, womit interagiert er? Müssen wir Spiel-Platz und Spiel-Welt voneinander unterscheiden; und welche Rolle nimmt das Spiel-Medium ein?

u.d.m.

Während eine Beantwortung dieser Fragen bereits bei den “althergebrachten” Spielen problematisch ist und nur zu oft versäumt wurde, eröffnen sich bei den Videospielen völlig neue Dimensionen des Verständnisses – und somit selbstverständlich auch völlig neue Dimensionen an Problemen.

Dieser Blog verfolgt das hochgesteckte Ziel, diese Spieleflut zu fassen, zu begreifen und über den wissenschaftlichen Anspruch hinaus diese Thematik einen breiten Öffentlichkeit zugänglich zu machen. Den Fragen und Probleme, welche hier aufkommen, soll dabei nicht auf eine akademisch Art begegnet werden, sondern auf eine offenere, essayistische und dialogische Art.

1 Schiller,Friedrich: Über die ästhetische Erziehung des Menschen. 15. Brief; http://www2.ibw.uni-heidelberg.de/~gerstner/Schiller_Aesthetische_Erziehung.pdf. S. 30.
2 Huizinga, Johan: Homo ludens. Vom Ursprung der Kultur im Spiel. Hamburg 2013.

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